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CAIAZZO
Eine Gemeindepartnerschaft
der besonderen Art.
Sie wissen alle, dass unsere Gemeinde Ochtendung , 2 Gemeindepartnerschaften eingegangen ist. Zum einen mit Caiazzo in Süditalien, zum anderen mit La Chaussee St.Victor in Frankreich.
Als Vorsitzender des Freundeskreises Caiazzo -Ochtendung will ich natürlich über die Partnerschaft mit Caiazzo berichten. Ich möchte meine Ausführungen unter das Motto Caiazzo, eine besondere Partnerschaft?! stellen. Sie haben in all den Jahren in denen diese Partnerschaft besteht nichts Negatives erfahren. Kein Zeitungsbericht; kein TV- Beitrag ließ kritische Momente erkennen. Dafür war aber die Vorgeschichte dieser Partnerschaft umso turbulenter. Sie wissen, dass das die Gemeindepartnerschaft auslösende Moment ein schreckliches Ereignis in Caiazzo am 13.Oktober 1943 war. Damals verloren 22 Zivilisten, Männer Frauen und in der Mehrzahl kleine Kinder ihr Leben.
Ich halte es für wichtig noch einmal die Ereignisse im Jahre 1943 in Italien in Ihre Erinnerung zu bringen.
Nicht um alte Wunden aufzureißen; nicht um Schuldzuweisungen auszusprechen; nicht um die Wehrmacht zu diffamieren , auch nicht um einen einzelnen anzuklagen.
Sondern, um Sie zu sensibilisieren für aktuelle Geschehnisse; um Ihnen Argumentationshilfen an die Hand zu geben; um Vorurteile abzubauen; und nicht zuletzt um Ihr Interesse an den Gemeindepartnerschaften zu wecken.
Schon als Jugendlicher bereiste ich Süd- und Mittelitalien mit dem Zug; als Tramper und oft zu Fuß.
In vielen Orten in denen ich Halt machte fielen mir Gedenktafeln auf, die Namen, Alter und Sterbedatum von Personen aufzeigten mit dem Hinweis " ermordet von den Nazi " (ASSASSINATO Degli NAZISTI). Die vermerkten Sterbedaten lagen alle in der Zeit vom September 43 bis Mitte 44. Ich muss gestehen, dass ich mir damals wenig Gedanken um diese Ereignisse machte. Damals wurden diese Ereignisse in Italien und bei uns möglichst totgeschwiegen. Erst in den letzten Jahren ist man von italienischer Seite her um eine historische Aufarbeitung bemüht.
In welcher Situation befanden sich damals die Menschen in Süditalien? Im Jahr 1943.
Der zweite Weltkrieg war voll zugange. Für das Deutsche Reich und seine Verbündeten war die Niederlage absehbar. Stalingrad war gefallen; die Schlacht im Kursker-Bogen verloren; Rommel musste Nordafrika
räumen. Im Juli 43 waren die Amerikaner und Briten in Sizilien gelandet die Invasion in der Normandie stand bevor.
Italien war unter der Führung Mussolinis ausgelaugt, verarmt und kriegsmüde geworden. Die Tatsachen sprachen alle für ein möglichst baldiges Ende der kriegerischen Auseinandersetzungen. Mussolini konnte sich jedoch gegenüber Hitler ( Feltre 18.Juli43) nicht durchsetzen, was letztendlich zu seiner Entmachtung durch König Victor Emanuel III am 25.Juli 43 führte.
Der vom König eingesetzte neue Ministerpräsident Marschall Pietro Badoglio beteuerte den Deutschen gegenüber sein Treuebündnis , trat dann aber als die erwartete, versprochene Unterstützung der Deutschen ausblieb in Verhandlungen mit den Alliierten.
Am 03. September 43 unterschrieb General Castellano die Kapitulation. Von Hitler wurde die Aktion "Achse"
in Gang gesetzt. Besetzung der Alpenpässe; Sicherung der Häfen in Norditalien; Sicherung der Transportwege.
Gleichzeitig wiederholte Hitler die Forderung nach dem " TOTALEN KRIEG " dem die Italiener natürlich nicht folgen konnten.
Nibelungentreue und Sieg oder Niederlage sind typisch deutsche Verhaltensweisen. Gefragt war in Italien eine realpolitische Entscheidung und die hieß: So schnell als möglich die Kampfhandlungen einstellen und Frieden herstellen.
Am 8. September 1943 verkündet der Oberbefehlshaber der alliierten General Dwight D. Eisenhower über Radio Algier den vereinbarten Waffestillstand mit Italien.
Die Reaktionen in Berlin fielen wie erwartet aus. Man sprach von Verrat und man werde nun Tabula rasa machen. So überrascht wie man sich gab war man nicht. Die vorbereiteten Aktionen Alerich und Konstantin wurden ausgelöst. Dies hieß: binnen 24 Stunden war Italien Besatzungsgebiet. Die Italienische Armee im Wesentlichen entwaffnet und gefangen gehalten. Italien, das aus dem Krieg aussteigen wollte, war Kriegsschauplatz geworden.
Hitlers Bestreben war es die Verteidigungslinien möglichst weit vor den eigenen Grenzen zu errichten.
Die Amerikaner und Briten drangen von Süden mit immer stärkeren Kräften nach Norden. Die HKL wurden zuerst in der Höhe Neapel- Bari errichtet, dann Gaeta - Manfredonia und Gaeta - Cassino - Foggia.
Die Bevölkerung der Campagna war Ende 1943 einer Deutschen Wehrmacht ausgeliefert, die gegen jeden Widerstand aktiv oder passiv mit Gewalt vorging. Sie führten Krieg auch gegen Frauen und Kinder.
Wie war dies möglich?
1. Der Begriff des Verrates
2. Die absehbare Niederlage
3, Weisung 32, der so genannte Nero -Befehl
4. Weisung 46, der so genannte Kommissar- Befehl
ACERRA / CAPUA / TAVEROLA / GARZANO / ISERNIA / BELLONA / CAIAZZO
Einige wenige Namen von Orten, die in der zweiten Hälfte des Jahres 1943 zu Orten des Grauens wurden.
CAIAZZO
Um 1.45 in der Früh des 13 Oktober bereitet Artillerie mit massivem Trommelfeuer den Übergang alliierter Truppen über den Volturno vor. Im Zentrum Bellona, westlich von Caiazzo, wo die Kampfgruppe Moeller agierte, zur 3. PZGD gehörig.. Schon Mitte September waren Frauen und Männer aus der Stadt zur Zwangsarbeit deportiert worden. Am 4. Oktober wird den verbliebenen Bewohnern befohlen, die Stadt zu verlassen und sich aufs Land zu begeben. Ihre Häuser und Wohnungen werden systematisch von deutschen Soldaten durchkämmt, dann, wie inzwischen üblich niedergebrannt.
An jenem 13. Oktober setzten sich die letzten Truppen der Kampfgruppe Moeller vom südlichen Ufer auf die Höhen des Nordufers ab. Es bleibt ein Nachkommando zurück, mit dem Auftrag, das Ufer zu verminen und gemäß dem Nero Befehl alles zu zerstören, was dem Gegner nützlich sein könnte.
Nach Erledigung seines Auftrages setzt sich das Kommando ( 1. Zug/ 3. Kompanie / 1. BTL PzGRgt 29) in Richtung Caiazzo ab und bezieht Stellung am Monte Carmignano. Die bekannten Ereignisse nahmen in der Nacht dann ihren Lauf.
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Diese Vorkommnisse bleiben nicht auf den Süden Beschränkt. Die Blutspur unter den Zivilisten zieht sich durch ganz Italien, durch die Campagna; Umbrien, Toscana; Marke, Abruzzen. Emilia Romana bis vor Bologna wo
an der Goten-Linie die als das letzte Bollwerk errichtet worden war und welches im Frühjahr 1945 überrannt wurde.
Am 02.Mai.1945 unterschrieb Feldmarschall Kesselring in Caserta die Kapitulation der deutschen Streitkräfte in Italien.
Abschließend möchte ich noch über eine Fahrt berichten, welche wir von Caiazzo aus in die Monte Maltese unternahmen vor 3 Jahren. Das Ziel war Roccaraso ein Wintersportort, aber auch im Sommer besucht wegen der guten Wandermöglichkeiten. Im Rahmen der Besichtigung fuhren wir auch auf eine Anhöhe auf der eine große Gedenkstätte errichtet ist. Als wir diese besichtigten war keinem von uns Deutschen bewusst, dass wir uns an einer Stätte befanden an der die Deutsche Wehrmacht eine ganze Gemeinde aus rein taktischen Gründen auf das brutalste völlig vernichtet hatte. PIETRANSIERI, geblieben ist nur die Gedenkstätte.
Am 8. Mai 1995 wurde der Gemeinde Ochtendung vom Bürgermeister von Caiazzo, Signore Nicola Sorbo das Angebot einer Städtepartnerschaft unterbreitet. Am 04. Mai 1996 erfolgte die Unterzeichnung der Urkunde der Gemeindepartnerschaft in Ochtendung durch den Bürgermeister von Caiazzo Signore Nicola Sorbo und dem Bürgermeister von Ochtendung Herrn Franz Schmitz. Die feierliche Handlung wurde am 13.Okt.1996 in Caiazzo noch einmal vollzogen.
Viele Begegnungen in Caiazzo und in Ochtendung sind dieser Handlung gefolgt. Man lernte sich kennen und schätzen. Viele Freundschaften sind entstanden.
Wir haben jetzt eine Periode des Friedens in Deutschland von über 60 Jahren durchlebt. Niemand von uns kann heute noch ermessen was Krieg bedeutet. Der leichtfertige Umgang mit dem Leben seiner Staatsbürger sollte jeden Politiker veranlassen nach den letzten Möglichkeiten des Friedens zu suchen. Wehe dem Politiker der mit Gründen einen Krieg beginnt, die sich nachher nicht bewahrheiten.
Die Gemeindepartnerschaften tragen dazu bei, dass die Bürger untereinander sich besser kennen lernen und dies
führt dazu, dass Vorurteile abgebaut werden.. Man führt schwerlich einen Krieg gegen Freunde.
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